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16.03.2021

OPTINOFA – digitaler Assistenzdienst zur Steuerung der Notfallversorgung

Zweiter Preis für Gesundheitsnetzwerker geht an die Universitätsmedizin Göttingen

Auf dem 2. Platz im Rennen um den Preis um Gesundheitsnetzwerker landeten die Projekte BOCAHealth und OPTINOFA. Letzteres ist ein Innovationsfondsprojekt der Universität Göttingen – ein intelligenter Assistenzdienst soll die Notaufnahmen vor Überlastung schützen.

Das nächste Krankenhaus ist immer öfter die erste Adresse, an die sich Menschen am Wochenende oder außerhalb der üblichen Praxiszeiten wenden, wenn sie ärztlichen Rat benötigen. Seit vielen Jahren verzeichnen Kliniken steigende Fallzahlen in den Notaufnahmen – dabei hat insbesondere der Anteil der ambulanten Notfallbehandlungen zugenommen, die auch hausärztlich versorgt werden könnten. 

Systematische Steuerung der Patientenströme

Um diesem Trend entgegenzuwirken hat die Universitätsmedizin Göttingen das Innovationsfondsprojekt OPTINOFA ins Leben gerufen und einen „intelligenten Assistenzdienst zur sektorenübergreifenden Triage in der Notfallversorgung“ entwickelt. Er unterstützt die Notfallmediziner und niedergelassenen Ärzte im Bereitschaftsdienst bei der strukturierten Ersteinschätzung in Bezug auf Behandlungsdringlichkeit und erforderliche Notfallversorgungsstufe. „Derzeit setzen elf Modellkliniken in Deutschland unseren Assistenzdienst im Rahmen einer randomisierten Studie ein“, berichtet Prof. Dr. med. Sabine Blaschke von der Universitätsmedizin Göttingen. „Wir hoffen, dass wir durch die strukturierte Ersteinschätzung über dieses Tool und die systematische Lenkung der Patientenströme letztlich auch die Kosten der Notfallbehandlung reduzieren können.“ Der Assistenzdienst arbeitet mit Notfallalgorithmen, die auf bereits etablierten Triagesystemen basieren. Als internetbasierte Software-Lösung kann der Assistenzdienst überall genutzt werden, ob auf mobilen Endgeräten wie Tablets oder auf einem stationären Computer.

 

Drei Fragen an das Projekt

Das Konsortialprojekt OPTINOFA wird der Universitätsmedizin Göttingen -Interdisziplinäre Notaufnahme- in Kooperation mit dem Institut für Medizinische Informatik geleitet. Wir haben drei Fragen an das Projekt gestellt.

Welches Problem greift Ihr Projekt auf?

Es geht darum, dass die Notaufnahmen überlaufen werden, seit mehreren Jahren. Problematisch ist dabei insbesondere die inadäquate Inanspruchnahme der Notaufnahmen durch viele Patienten, die auch im ambulanten Sektor versorgt werden könnten. In der Folge sind die Krankenhaus-Notaufnahmen bundesweit überlastet, womit wir riskieren, dass die Notversorgung vor Ort nicht mehr adäquat umgesetzt werden kann. Auch gesundheitsökonomisch spielen die steigenden Kosten der Notfallbehandlung hier eine große Rolle.

Was macht Ihr Projekt besonders innovativ?

Ein besonders innovativer Aspekt ist die Verknüpfung vom fachlichen, ganz expliziten Wissen mit lernenden Verfahren, also Künstlicher Intelligenz. Ein entscheidender Faktor ist, dass wir künftig die Schnelligkeit haben, viele Daten und unterschiedliche Datenquellen einzubinden. Die COVID-Pandemie hat uns gezeigt, wie schnell man plötzlich vor neuen Settings stehen kann, auf die man schnell reagieren muss.

Was waren bislang die größten Herausforderungen?

Die wesentlichen Herausforderungen ergeben sich aus der intersektoralen Verknüpfung. Für die Evaluation müssen unterschiedliche Daten aus verschiedenen Bereichen zusammengeführt werden – aus dem stationären Bereich sowie den Routinedaten der Krankenkassen und des Notfallregisters. Das machte die Erarbeitung des Datenschutzkonzepts äußerst komplex. Zeitgleich mit dem Projekt trat auch die DSGVO in Kraft – da OPTINOFA an elf Kliniken in unterschiedlichen Bundesländern durchgeführt wird, hatten wir auch länderspezifische Gesetzgebungen zum Datenschutz einzubeziehen.

Die andere Herausforderung, die uns getroffen hat, ist natürlich die Pandemie. Es ist beachtlich, dass wir diese Studie trotz massiver Veränderungen in den Prozessen weiterführen konnten und meines Erachtens auch ein starker Indikator für die Anstrengungen der beteiligten Kliniken.

Jurybegründung

Das Projekt zeichnet sich im besonderen Maße durch eine vernetze und sektorenübergreifende Versorgung aus. Es wird ein Grundproblem der nicht adäquaten Inanspruchnahme der Notfallversorgung adressiert. Die Jury hebt hervor, dass durch das System eine Qualitätsbewertung ermöglicht wird, die Ärzte qualitätsgesichert bei der nicht immer einfachen Entscheidung unterstützt.

 

Kontakt

Prof. Dr. Sabine Blaschke
Universitätsmedizin Göttingen
sblaschgwdg.de
optinofaprojekt.uni-goettingen.de

 

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